North
by RockTimes



Nach langen sechs Jahren der Stille melden sich die deutschen Prog-Metaller Everon mit "North" zurück. Doch bevor ich euch nun von diesem Album berichte, werde ich ein bisschen näher auf Everon eingehen.

Angefangen hat es 1989, als sich Oliver Philipps zu den drei aus Krefeld stammenden Musikern, Ralf Janssen (Gitarre), Schymy (Bass) und Christian 'Moschus' Moss gesellte. Oliver konnte mit seinen Fähigkeiten als Songschreiber, Keyboardspieler, Gitarrist und Sänger überzeugen. Unter dem Label Si-Musik erschien 1993 ihr Debütalbum "Paradodoxes", gefolgt von "Flood", das 1995 das Licht der Welt erblickte. Als Si-Music seinen Betrieb einstellen musste, konnte die Band bei Mascot Records andocken und 1998 erschien "Venus", gefolgt von "Fantasma" (2000).

2002 zeigte sich die Truppe besonders fleißig, denn es gab von ihnen gleich zwei hammerstarke Alben: "Bridge" und "Flesh".

Ihre Musik ist sehr melodisch, stellenweise melancholisch, dann wieder hart und mit progressiven Elementen gewürzt, so dass Liebhaber des progressiven Metals und des Melodic Rocks Gefallen dran finden können. So kann man Everon ansatzweise mit Asia vergleichen, da auch sie den Melodic Rock bedienen und ihre Musik mit progressiven Rock-Elementen würzen.

Auch bei ihrem siebten Output "North", für das sich Oliver Philipps im Jahr 2005 fünf Wochen an die holländische Nordseeküste begab, um in Ruhe die Musik zu schreiben, bleibt Everon dem Stil treu. Ein Jahr später reiste er zu dem gleichen Ort, um die dazugehörende Texte zu verfassen. Durch die Schreibarbeiten an der Nordseeküste war es dann auch natürlich, das Werk als gesamtes "North" zu benennen.

Wie ich meinem Infozettel entnehmen kann, plante Oliver Philipps dieses Mal ein Werk zu schreiben, das mehr von Gitarrensound geprägt und weniger orchestrale Klänge beinhalten sollte. Mit "Hands" ist ihm dies auch gelungen, erschallt dieser Track doch sehr gitarrenlastig aus den Boxen und die Tasten halten sich hier eher im Hintergrund. Dennoch ist es ein typischer Everon-Song, vergleichbar mit "Men Of Rust" von "Fantasma", oder "Across The Land" von "Bridge". Jedoch mit dem zweiten Titel, "Brief Encounter", verwarf er diesen Gedanken wieder und die orchestralen Sounds und schönen Pianoläufe sind wieder zu hören.

Dazu meint Oliver nur lapidar »Man soll nichts anderes als Milch von einer Kuh erwarten, wer also die Piano- und orchestralen Sounds nicht verträgt, der sollte einfach kein Everon-Album kaufen.«

Recht hat er, der Herr Philipps, denn gerade diese Sounds liebe ich sehr an Everon. In diesem Lied beschreibt er eine Erfahrung, die er vor mehr als 20 Jahren machte und die ihm Angst einflösste und ihm nicht aus dem Kopf ging. Mich stimmt der Text zumindest sehr nachdenklich.

Im ditten Stück, "From Where I Stand", hören wir erst mal den warmen Ton des Cellos, gespielt vom Gastmusiker Rubert Gillet. Melancholischer Text, begleitet von Klavier, sowie andere faszinierende Soundschnipsel, bestimmen das musikalische Geschehen dieser Halbballade, in der es um unglückliche Liebesbelange geht.

Das Cello eröffnet auch "Test Of Times" und erklingt zu Beginn eher ruhig, jedoch wird im weiteren Verlauf immer mehr Power aufgebaut. Die Melodie geht sehr gut ins Ohr und was mir besonders gefällt, ist der Rhythmus, sowie gegen Ende die Keyboardpassagen, die ein orientalisches Flair vermitteln.

Bei "North" geht es um Selbstzweifel und emotionale Kälte, zumindest interpretiere ich das aus dem Text. "South Of London" ist eher untypisch für die Band, man experimentiert hier erstmalig mit elektronischen Elementen. Auch nimmt man sich erstmals einem politischen Thema an. Die Melodieführung ist einfach, stellenweise sogar poppig, dennoch wird der Hörer von dem Gehörten gefesselt.

Mit "Wasn't It Good" bekommen wir eine richtig schöne Ballade geliefert. In diesem Song trieft es nur so vor Selbstmitleid. Es geht langsam, fast zerbrechlich los, mit sanftem Gesang zur Klavierbegleitung. Je länger das Stück andauert, umso bombastischer wird es, in der Mitte, sowie am Ende mit einem faszinierenden Solo der E-Gitarre.

Im Gegensatz zu den sonst eher düsteren Songs, erklingt "Woodworks" sehr beschwingt und kommt ohne Gesang aus, gefällt mir sehr gut. Diese Stimmung wird jedoch nicht lange gehalten, denn mit "Islanders" kommt schon die nächste Ballade und ist überhaupt nicht rockig. Im Gegenteil, die Melodie plätschert sanft dahin. Den gesanglichen Part hat hier Judith Stüber übernommen, die ja schon vom Album "Flesh" bekannt sein sollte. Außerdem gehört sie schon längere Zeit zum Line-up der Live-Band.

Zum Abschluss gibt es, den im mittleren Tempo angelegten Song, "Running". Hier beschäftigt man sich mit der Bewältigung des Alltags und dem Sinn im Leben. Die Melodieführung bei den Strophen erinnert mich sehr stark an einen Song von Saga, kann aber den Titel jetzt nicht benennen.

Aufgenommen wurde "North" im Spacelab Studio, unter der Leitung von Christian 'Moschus' Moos und Oliver Philipps als Co-Produzent. Das Mastering hat Eroc übernommen. Wie schon bei den Alben zuvor, so ist auch dieses Mal der Sound der Scheibe ohne Fehl und Tadel.

"North" macht von der ersten bis zu letzten Minute Spaß, wenngleich mir die Alben "Bridge" und "Flesh" einen Tick besser gefallen.