North
by Monsters and Critics



Lang, lang ists her, dass das letzte Album einer der Speerspitzen der deutschen progressive Rock und Metal Szene erschienen ist. "Flesh", das letzte Meisterwerk der Mannen um Mastermind und alleinigen Songschreiber Oliver Philipps lässt sich nämlich bereits auf das Jahr 2002 zurückdatieren. Um dem Abhilfe zu schaffen, hat sich eben jener dann völlig zurückgezogen, um an der niederländischen Nordsee Küste Album Nr. 7 entstehen zu lassen.
Sehr passend wurde es dann auch "North" betitelt und ist, so viel sei verraten in etwa so schwermütig wie sein Cover, auf dem ein einsamer Ruderer durch düstere Wogen schippert.
Startet man die CD fällt als erstes auf, dass der merkwürdig quäkende Gitarrensound, der zumindest in meinen Ohren immer etwas gewöhnungsbedürftig gewesen ist, einer fetten Gitarrenbreitseite gewichen ist, die einem dann gleich zu Beginn in "Hands" um die Ohren gehauen wird. Das anschließende, sehr epische "Brief Encounter" steht dann für alles, was Everon schon immer dargestellt haben. Anspruchsvolle, progressive Musik, bei der aber immer und zu jeder Zeit große Melodien im Vordergrund stehen. Auch die epische Orchestrierung, das Klavier und der latente Hang zum Kitsch sind immer noch da. Aber das sind halt Everon, dass muß so sein. Ich kauf mir ja auch keine Metallica Platte um eine Country Ballade zu hören ;-)
Im Vergleich zum harschen "Bridge" und dem im selben Jahr veröffentlichten experimentellen und sehr bombastischen "Flesh" ist "North", selbst für Everon Verhältnisse recht ruhig ausgefallen, was aber bei solch einer Qualität nicht als wirklicher Kritikpunkt angesehen werden sollte. Große, ergreifende Momente mit sehr poetischen Texten, lassen einem, ein ums andere Mal die kleinen Härchen an den Armen hochspringen.
Besonders hervorheben möchte ich den wunderschönen Titeltrack und das noch viel traurigere "Wasn´t it good", dass fast schon eine Pain of Salvation artige Atmosphäre versprüht. Auf der hart rockenden Seite stehen das bereits erwähnte "Hands" und das experimentelle, elektronische "South of London".
Und beim etwas belanglosen (aber mit einem schönen Schluss versehenen) "Islanders" präsentiert man mit Judith Stüber gar eine Gastsängerin.

Fazit: "North" sollte jeden Everon Fan glücklich machen. Die 6 Jahre Wartezeit haben sich gelohnt, sind aber nicht wirklich hörbar, was natürlich positiv, wie negativ ausgelegt werden kann. In dieser Form gehören Everon nach wie vor auf eine Stufe mit Sieges Even und Vanden Plas. Aber bitte: nicht noch mal sechs Jahre!

4.5 von 5 Punkten