Flesh
by Obliveon



"Flesh" nun ist der zweite Teil des zeitgleich eingespielten "Bridge" und der, für Everon-Verhältnisse, experimentellere und ungewöhnlichere Teil der beiden. Das wundervolle Streicharrangement aus "And Stil It Bleeds" wird man wahrscheinlich auf einem "normalen" Everon-Album ebensowenig finden, wie die verquere und an Kate Bush erinnernde Rhythmik des nachfolgenden "Already Dead". Hinzu kommt ein leicht keltischer Einschlag der Melodien wie in "Pictures Of You" oder "Missing From The Chain", der Bands wie Runrig oder Big Country als Referenz auf den Plan ruft. Doch all diese Vergleiche dienen nur als vage Anhaltspunkte und zusätzliche Einflüsse, denn Everon sind immer noch Everon: exzellente Musiker mit einem untrüglichen Gespür für mitreissende Melodien mit hohem Wiedererkennungswert und vor allem ohne Kitschfaktor. Die Band verliert sich nicht in sinn- und seelenlosen Frickelorgien oder technischen Demonstrationen ihrer Klasse. Everons wahre Klasse und Kunst liegt darin, diese vorhandene Klasse so zu verpacken, dass die spielersiche Komplexität als solche gar nicht wahrgenommen wird. Jede Wette, dass sich manch vermeintliche Prog Metal Superband an einem Track wie "Flesh" die Finger brechen würde. Extraklasse ist auch wieder einmal die Produktion von Sänger/Gitarrist Oliver Philipps und Drummer Moschus.

Pflichtkauf!
9/10 - MK