Flesh
by Rock Hard



Vor gerade mal vier Monaten erschien der Vorgänger "Bridge", und hier kommt bereits der Nachfolger "Flesh". Wobei "Nachfolger" in diesem Fall nicht ganz richtig ist, da beide Alben zur gleichen Zeit aufgenommen wurden und ursprünglich ein Parallel-Release geplant war. Somit ist "Flesh" so etwas wie ein Zwillingsbruder - und zwar der leisere, in sich gekehrte, der lieber über einem guten Buch hängt, als draußen rumzubolzen. Will meinen: "Flesh" ist im Vergleich zu "Bridge" ein gutes Stück orchestraler, bombastischer und - ganz profan - alles in allem auch ruhiger. Dabei sind aber nach wie vor sämtliche EVERON-Trademarks vorhanden.
Wer Oliver Philipps & Co. bisher mochte, wird auch mit "Flesh" keine Probleme haben. Zumal sich mit dem gut 14-minütigen Titelsong einer der bisherigen Höhepunkte der Bandgeschichte auf dem Album wiederfindet. Dieses Mini-Epos vereint alle Stärken der Prog-Rocker und darf genauso beklatscht werden wie die durch die Bank exzellenten Leistungen der Gast-MusikerInnen an Gesang, Cello und Geige.
"Flesh" ist ein anspruchsvolles, wie immer melancholisches Rock-Album für Proggies und aufgeschlossene Metaller, das erneut seinesgleichen sucht. Daran ändern auch die für EVERON-Verhältnisse eher unspektakulären "Already Dead" und "Half As Bad" (erinnert irgendwie an Fish) sowie die schwache Achtziger-Wave-Hommage "Back In Sight" (Camouflage meets X-Perience - igitt) nix mehr.

Boris Kaiser
8,5/10
10 x Dynamit
Platz 3 in den Redaktionscharts