Fantasma
by Amazon.de



Everon gehören zu den wenigen deutschen Progressive-Metal-Bands, die allen Rückschlägen und musikalischen Modetrends zum Trotz immer tapfer weitergemacht haben und sich von dürftigen Verkaufszahlen und ausgedünnten Bankkonten nie aus dem Konzept bringen ließen. Nachdem ihr 97er Album Venus nicht ganz überzeugen konnte, kehren die Mannen um Mastermind Oliver Philipps mit Fantasma wieder zur alten Stärke zurück und schließen sogar fast zu ihrem 95er Geniestreich Flood auf. Die Platte ist bis zum Rand gefüllt mit großartigen, nie klischeehaften Melodien, wie sie in dieser Form keine andere Band auf die Kette bekommt, und hat einen instrumentalen Unterbau zu bieten, der an Abwechslungsreichtum kaum zu überbieten ist. Mal reicht eine simple Klaviermelodie aus, mal wird's völlig spacig und abgefahren, und zwischendurch kracht's häufig richtig schön metallisch im Gebälk. Everons größte Stärke ist jedoch ihr Gespür dafür, welches Mischungsverhältnis von einprägsamen Melodien und halsbrecherischen Frickelabfahrten am effektivsten ist. Der Hörgenuss leidet nie unter allzu hemmungslosem Skalengedudel, und eine intensive Atmosphäre ist dem Vierer glücklicherweise wichtiger als der erste Preis im Breaks-um-die-Ecke-Schieben.

Michael Rensen