Fantasma
by Empire Music



Immerhin drei Jahre hat es gedauert, bis es einen Nachfolger zu "Venus" gab. Wie so oft in der Prog-Szene gab es auch bei "Fantasma" unzählige Verzögerungen, sodaß der geplante Veröffentlichungstermin Herbst 1999 knapp verfehlt wurde. Nichtsdestotrotz hat sich die Wartezeit durchaus gelohnt, auch wenn das Cover diesmal nicht so imposant ausgefallen ist wie auf den vorherigen Alben. Dafür ist das neue Bandlogo von Everon´s Stamm - Illustrator Gregory Bridges wirklich phantastisch geworden. Kommen wir aber nun zum wirklich wesentlichen, der Musik. Schon der Opener "Men Of Rust" knallt dem Hörer einen absolut gigantischen Sound um die Ohren. Das bandeigene Spacelab - Studio scheint wirklich allererste Sahne zu sein. Selten habe ich einen so differenzierten und voluminösen Klang genießen können. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß dies der beste Everon - Song bislang sein könnte. Aber es soll noch besser kommen. Stilistisch orientiert sich die Band wieder eher am Debüt "Paradoxes". D.h. symphonische, keyboardorientierte Songs, die die positiven Seiten von Marillion, Rush und Saga vereinen, ohne diese jedoch zu kopieren. In dieser Klasse geht es auch mit "Perfect Remedy'" weiter, bevor dann mit "Fine With Me" der erste fetzige Rocksong daherkommt. Hier drängt sich der neue Gitarrist Ulli Hoever erstmals richtig in den Vordergrund. Starke Leistung! Bei allen Songs fällt auch der stark verbesserte Gesang von Oliver Philipps auf. Da kann jetzt wirklich niemand mehr meckern! Weiter geht's mit dem schönen, balladesken Einstieg zu "A Day By The Sea", bei dem sich ruhige und symphonische Parts, untermalt von starken Drums, abwechseln. Die Tracks 5-9 bilden das Kernstück des Albums: Der Titelsong "Fantasma" bringt es auf fast 15 Minuten. Hier tendiert man dann erstmals etwas in Richtung Progressive Metal, ohne aber jemals Anleihen bei DT zu nehmen, sondern hier werden ehrliche, harte Gitarrenriffs geboten, die nie das Gespür für Song und Melodie verlieren. Sehr schön der ruhige Mittelteil mit Cello und klassischer Gitarre. Insgesamt also ein überzeugender Longsong ohne Längen. Den krönenden Abschluß bilden wiederum vier weiters Songs, wobei das Instrumental mit dem sinnigen Titel "Battle Of Words" schon fast die Klasse von Toto's "Child's Anthem" erreicht. Das zweigeteilte "Ghosts" mit insgesamt 8 Minuten dürfte ebenfalls wieder Jubelstürme unter den Fans hervorrufen. Mit "Fantasma" ist Everon ein stilistisch abwechslungsreiches Meisterwerk ohne Schwächen gelungen, das durch seinen gnadenlos guten Sound die Maßstäbe für andere deutsche Progbands extrem hochsetzt. Alle Vergleiche in dieser Kritik werden der Band sicher nicht gerecht, denn sie hat hier in der Tat ewas eigenes geschaffen. Wirklich schade, daß momentan so viele herausragende CD´s auf den Markt kommen, sonst wäre "Fantasma'" auch eine CD des Monats geworden. Logischerweise gilt auch hier: Zuschlagen!

Michael Bäcker