Fantasma
by Progressive Newsletter



Drei Jahre ist es her, seit "Venus", das letzte Studioalbum von Everon, erschienen ist. Seitdem wurde Gitarrist Ralf Janssen durch den "Neuzugang" Ulli Hoever ersetzt, die Band durchlitt wahrscheinlich ihre schwerste Zeit und auch noch Roadie Detlef Dohmen kam bei einem Autounfall tragisch ums Leben. Konsequent, daß ihm dieses Album gewidmet wurde und es textlich hauptsächlich um Verluste geht.
Aber bei Everon ging es schon immer nicht nur um einen ansprechenden musikalischen Inhalt, neben den Texten, setzen auch Layout und Produktion Maßstäbe. Auch bei "Fantasma" stimmt alles, beim geschmackvollen Artwork überwiegen die blauen und dunklen Töne, die Produktion wurde mit viel Power und Volumen in den heimischen SpaceLab Studios aufgenommen und wiederum, wie schon bei den Vorgängern, von Eroc verfeinert, sprich gemastert. Doch wie sieht es nun mit dem musikalischen Inhalt aus? Die Antwort lautet: Fast so wie immer, aber irgendwie doch nicht, auf jeden Fall, um das Gesamturteil vorwegzunehmen: es lohnt sich, dieses sinfonische Kleinod voller ausgeklügelter Melodien genauer, und vor allem mehrfach, anzuhören.
Trotz, daß sich die Band von der inzestuösen Prog Szene distanziert, klingt "Fantasma" komplexer und, hoppla jetzt kommt leider das Unwort, progressiver als bisher. Doch neben ausgefeilter Technik und Bombast, die aber eindeutig der Songidee untergeordnet werden, haben Everon immer noch einen ganz großen Vorteil gegenüber anderen Bands: sie verstehen es, packende, emotional mitreißende Melodien zu schreiben. Mit "May You" ist Ihnen diesesmal zudem eine Power- Ballade gelungen, die, sofern es noch Gerechtigkeit in der heutigen Medienlandschaft gäbe, in die Hot Rotation ins Radio gehören würde. Daneben rockt es aber auch richtig gut los. Breaks an der richtigen Stelle sorgen für Spannung und Dramatik. Aber auch der fünfteilige, über 12-minütige Titelsong wartet mit Überraschungen, sprich Intermezzo mit Cello und ruhigen, besinnlichen Parts auf. Einzig der dritte Song "Fine with me" fällt etwas im Vergleich zu den anderen Liedern ab, zeigt, daß auch bei Everon nicht jede Idee zünden muss.
Doch insgesamt ist "Fantasma" ganz einfach hervorragend produzierte und arrangierte, anspruchsvolle Rockmusik, die sowohl Bauch, als auch Kopf bedient. Eine melodischer Leckerbissen zum Genießen!

12 von 15 Punkten
Kristian Selm