Fantasma
by Progressive Pages



Auf Everon aufmerksam geworden bin ich erstmals, als 1995 "Flood" erschien. Damals heimste man Kritiken ein, die überschwenglicher nicht sein konnten und das auch sehr berechtigt. Der Nachfolger "Venus" zeigte mir dann sehr wenig Weiterentwicklung und wirkte drucklos und lustlos. Doch nun kommt "Fantasma". Und hier spürt man die Energie, den Willen einer Band, die es fast schon gar nicht mehr gab.

Aufgenommen im heimischen "Space Lab Studio" hat dieses Album einen Mordssound bekommen. So klingt man rauher als je zuvor, gleichzeitig aber druckvoller und wesentlich frischer. Und das tut den teilweise sehr komplexen Arrangements auf "Fantasma" sehr gut. Das Album ist ein sehr persönliches Werk von Gitarrist, Sänger und Keyboarder Oliver Philipps, der zu den Inhalten der Musik ja schon im Interview Stellung nahm. Und dieses Wechselbad der Gefühle schildert "Fantasma".

Los geht es mit "Men Of Rust". Ein Opener, wie er nicht mehr Lust auf das restliche Album vermitteln könnte. Atmosphärische Keyboards und dazu eine sehr schöne Piano-Melodie lassen bereits nach einigen Sekunden die erste Gänsehaut über den Rücken wandern und was danach kommt ist einfach nur perfekt. Für mich einer der stärksten Everon-Songs den ich je gehört habe. Mit "Perfect Remedy" wird erstmal etwas Tempo weggenommen. Mit viel Gefühl startet der Gesang. Sehr auffällig sind auch hier wieder die sehr schönen Keyboard/Piano Melodien, die eine eher traurige Atmosphäre vermitteln. Orchestrale Arrangements beim Refrain fügen sich sehr harmonisch in diesen Song ein. "Fine With Me" ist das härteste Stück auf dem Album. Geradezu psychedelisch sind die Gitarrenparts. Dazu gibt es Keyboardfanfaren im Hintergrund und schnellen Gesang. Mir persönlich ist das Stück etwas zu hektisch geraten, weshalb ich mich auch nicht so damit anfreunden kann. "A Day By The Sea" beginnt wieder mit sehr melancholischem Gesang und einer tollen Piano-Unterstützung. Da ist Gänsehaut garantiert. Eine wunderschöne balladeske Nummer. Daran fügt sich das Highlight des Albums nahtlos an: "Fantasma" ist in fünf Parts unterteilt und insgesamt 14.37 min lang. Bei "Right Now ... Til The End Of Time" dominiert eine sehr harte Gitarre. Ein toller Refrain und zum Abschluß sogar der Einsatz einer Geige zeigen die Klasse der Band auf. Weiter geht es mit dem "Fantasma-Theme", einem kurzen aber sehr prägnanten Piano Stück. Es dient als wunderschöner Übergang zu "The Real Escape", welches mit klassischer Gitarre und Cello beginnt. Darauf setzt wunderbar melancholischer Gesang ein. Sowas von gefühlvoll. Die letzten 1.30 min setzt dann die Band ein. Das Thema des Songs wird weitergeführt und plötzlich kommt da wieder das "Fantasma-Theme" auf, mit dem man sich dann auch schon im Abschlußpart "Whatever It Takes" wiederfindet. Das Thema wird bis zum Ende getragen und eine herrliche Atmosphäre gezaubert. Ein Highlight.

Eigentlich könnte nach diesem Stück Musik eine große Leere kommen, die jeder für sich füllen sollte. Mit "Battle Of Words" kommt aber ein Instrumentalstück, welches mal nicht dazu dient nur selbstgefällig Soloparts zu produzieren, sondern eine tolle Struktur aufweisn kann. Mit "May You" gibt es dann wieder eine sehr gefühlvolle Ballade. Wieder sind es die Piano und Gesangsparts, die mich begeistern können. Den Abschluß macht "Ghosts" (so sollte eigentlich das Album heißen). Ich glaube, dieses Werk spricht für sich. Bereits das Intro mit melancholischen, traurigen Instrumentalparts zeigt, dass hier sehr viele persönliche Erfahrungen verarbeitet wurden. Der Song ist diesmal von der Gitarre getragen und wieder lösen die tollen Melodien eine Gänsehaut aus. Ich laß das jetzt so stehen. Kein Wort dieser Welt könnte dieses Gefühl beschreiben.

Fazit: Everon haben mit "Fantasma" ein Werk geschaffen, welches in keiner Sammlung anspruchsvoller Rockmusik fehlen sollte. Die Musik, die Texte, das Cover. Alles in allem bildet dieses Album ein rundum gelungenes Werk. Lediglich "Fine With Me" fällt etwas aus dem Rahmen. Ein tolles Werk!

92 Punkte