Bridge
by Progressive Newsletter



Schon wirklich harte Konkurrenz für das neue Studioalbum von Everon, wenn dieses im Wettstreit gegen die Fußball Weltmeisterschaft antreten muss. So wurde die CD ungerechterweise zuerst nur als Überbrückungsmusik zwischen dem infernalen Fernsehwahnsinn eingesetzt, doch nach dem Finale, ist jetzt endlich auch wieder Zeit, sich wesentlich konzentrierter mit Musik auseinander zusetzen. Und siehe da, dass was bisher im Hintergrund recht gekonnt Aufmerksamkeit erheischen wollte, reift bei genauer Betrachtung zu einem beeindruckenden Hörerlebnis. Die ganz eigene Mischung von Everon, geschickt Melodie, Bombast und Komplexität zu verbinden, stilistische Merkmale aus Melodic / Progressive Rock, moderatem Metal und AOR ausgewogen, aber gekonnt zu vereinen, ist neben dem ausgezeichneten Sound auch wieder der große Pluspunkt von "Bridge", dem mittlerweile fünften Album der Band.

Souverän und routiniert, aber keineswegs seelenlos und kalt, haben sich Everon auf "Bridge" nochmals gegenüber dem Vorgänger "Fantasma" gesteigert. Dabei baut dieses Album ganz einfach auf die bandtypischen Eigenschaften, die inhaltliche Balance aus ruhigen Balladen und kernigen Rockern. Das Quartett hat über die Jahre seinen ganz eigenen Sound entwickelt und perfektioniert, der von Anfang an auch "Bridge" eben typisch nach Everon klingen lässt. Natürlich könnte man der Band vorwerfen nur auf Nummer Sicher zu gehen und einfach auf Vertrautes zu setzten, doch warum die Erfolgsformel ändern, wenn sie ohne jeglichen bitteren Beigeschmack bestens funktioniert? Denn im Gegensatz zu anderen Bands, die sich wesentlich offensichtlicher bei sich selbst bedienen, klingen die Arrangements bei Everon, trotz bestimmter Aha-Effekte, keineswegs berechnend, sondern ehrlich und keinesfalls leidenschaftslos.

Auch wenn "Bridge" vor allem durch seine inhaltliche Geschlossenheit, den kompakten Gesamteindruck heraussticht, so sind es vor allem drei Titel, die sich hervorheben und die verschiedenen Stärken der Rheinländer dokumentieren. Da wäre zum einem "Driven" mit einer geschickten Mischung aus Power, Heavyness und ruhigen Passagen, der instrumentale Progressive Rock / Metal Kracher "Puppet show", sowie der getragene beginnende, sich kraftvoll steigernde Titelsong, der zum sanften Schluss auch noch ein paar Takte Billy Joel zitiert, wofür man sich aber brav entschuldigt. Ebenfalls originell der kurze Gastauftritt von Gunter Theys, dem Sänger der belgischen Black Metaller Ancient Rites, der kurz und kräftig an der passende Stellen ins Mikrofon "grunzt".

Überall mehren sich die positiven Stimmen und Eindrücke gegenüber "Bridge", was belegt, dass Everon mit diesem Album nicht nur ein wichtiges Statement abgegeben haben, sondern auch den Nerv vieler getroffen haben. Und diese Bestätigung und den Respekt haben sie sich zweifelsohne verdient. Mal sehen, was sie auf dem für den Herbst angekündigten und bereits aufgenommenem Album "Flesh" noch an weiteren Highlights präsentieren.

Kristian Selm