Bridge
by RockHard



Es war mit Sicherheit schwierig für EVERON, das Niveau des tollen Vorgänger-Albums "Fantasma" zu halten. Doch die zu Recht selbstbewußte Band hat es mit "Bridge" vielleicht sogar geschafft, noch mal einen Zacken zuzulegen. Das liegt vor allem an der unglaublichen Dynamik, die keine - ich wiederhole: keine! - andere aktuelle Prog-Rock-Band auf Platte dermaßen zu transportieren in der Lage ist. Wenn andere Truppen fünf Songs schreiben, um ihre gelungensten Parts unterzubringen, packen die Deutschen dies in einen einzigen. Das ist noch keine Kunst - die beginnt erst bei der Tatsache, dass "Bridge" ausnahmslos aus Ohrwürmern besteht, denen man die sehr anspruchsvolle Instrumentierung erst beim genaueren Hinhören anmerkt. Lediglich beim Dream Theater-mäßigen Instrumental "Puppet Show" zieht man - allerdings mit einem leichten Augenzwinkern - so richtig vom Leder. Der Opener "Across The Land", das famose "Juliet", das melancholische Doppelpack "Travelling Shoes"/"Driven" oder der wie ein DEINE LAKEIEN-Song beginnende Titeltrack sind state-of-the-art in ihrem Genre. Dazu kommen die nachdenklichen, oft tieftraurigen, aber immer versöhnlichen Lyrics von Allein-Komponist Oliver Philipps, die allein schon aufgrund ihrer oft eingestreuten Wortspielereien zumindest in Germoney ihresgleichen suchen.

"Bridge" wird selbst nach der 30. Einfuhr zu keiner Sekunde langweilig, lässt unter dem Kopfhörer schon mal einige Tränchen fließen, nur um sie wieder zu trocknen. Eine Achterbahn der Gefühle, musikalisch nahezu perfekt umgesetzt. Denkt Euch zur unten stehenden Note bitte noch zwei dicke Sternchen hinzu.
Danke.

Boris Kaiser
9/10
10 x Dynamit
Platz 3 in den Redaktionscharts